Dankgebet aus der "Harmonice Mundi"

Groß ist unser Herr und groß seine Kraft und seiner Weisheit ist keine Zahl.
Lobpreiset ihn, ihr Himmel, lobpreiset ihn, Sonne, Mond und Planeten,
welchen Sinn ihr auch habt zu erkennen, welche Zunge zu rühmen euren Schöpfer.
Lobpreiset ihn, ihr himmlischen Harmonien, lobpreiset ihn, ihr alle,
die ihr Zeugen der nun entdeckten Harmonien seid!
Lobpreise auch du, meine Seele, den Herrn, deinen Schöpfer, solange ich sein werde.
Denn aus ihm und durch ihn und in ihm ist alles!
Das, was mit den Sinnen erfasst, wie das, was mit dem Geist erkannt wird.
Das, was noch gänzlich unbekannt ist, wie das was wir wissen
und was nur einen Bruchteil von jenem ausmacht,
denn mehr noch liegt darüber hinaus.
Ihm sei Lob, Ehre und Ruhm in alle Ewigkeit.

 
Amen.

 

Hexenprozess

 

Wer meint, dass Kepler nach so vielem wechselvollen Geschick wenigstens im Alter ein hartes Lebensschicksal erspart geblieben ist, den belehren folgende Austellungsgruppen eines Besseren:

  • Der Hexenprozess gegen Katharina Kepler
  • Keplers Forschungen zur Stereometrie
  • Kepler in Sagan

 

"Zween schuch mein tieffe ..."

Ulmer Messkessel

Bis ins 19. Jahrhundert existiert in Deutschland kein einheitliches Maßsystem. Dies führt vor allem beim Handel zu ständigen Streitigkeiten. Als Kepler 1627 die "Tabulae Rudolphinae" in der Reichsstadt Ulm drucken läßt, bittet ihn der Magistrat, die dort gängigen Maße und Gewichte zu normieren.

Kepler vermeidet aus politischen Gründen eine Abschaffung geltender Messgrößen und entwirft ein Eichgefäß, das sämtliche Längen- und Hohlmaße aufeinander abstimmt.
Der "Ulmer Messkessel" fasst 1 Eimer Donauwasser zu 3,5 Ulmer Zentnern, hat einen Durchmesser von 1 Elle und ist 2 Schuh hoch. Zusätzlich ersinnt Kepler kleinere Gefäße mit einem Bruchteil dieses Fassungsvermögens, da der Kessel wegen seiner Größe für den alltäglichen Gebrauch zu unhandlich ist.

Fast fünfzehn Jahre vor der Erfindung des Messkessels bemerkt Kepler beim Weinkauf, dass die Verkäufer Fassinhalte durch bloßes Einführen einer Messrute bestimmen, ohne dabei auf die unterschiedlichen Formen der Fässer Rücksicht zu nehmen. Kepler entwickelt daraufhin geometrische Methoden zur Berechnung von Fassinhalten, und veröffentlicht diese 1615 in der Schrift "Nova stereometria doliorum". Für die alltägliche Anwendung erscheint 1616 eine überarbeitete deutsche Fassung.

In Weil der Stadt erzählt man sich, dass unser letzter, kleiner Raum, der Geburtsraum Johannes Keplers gewesen sei. Da Kepler einer der bedeutendsten Begründer der modernen Naturwissenschaft gewesen war, entführt Sie diese Ausstellung in diesem Bereich auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Astronomie. Nachdem Sie in einer Videovorführung die faszinierenden Welten innerhalb unseres Sonnensystems kennengelernt haben, verliert sich Ihre Reise in den Weiten des Kosmos, deren Größe der Vermessungssatellit Hipparcos zu Beginn der 1990er Jahre weiter als jemals zuvor erfasst hat. Vielleicht erinnern Sie sich auf dem Nachhauseweg noch an Keplers visionären Satz:

Man schaffe Schiffe und Segel, die für die Himmelsluft geeignet sind. Dann wird es auch Menschen geben, die vor der öden Weite des Raumes nicht zurückschrecken werden."

hipparcos1

Keplers "Tabulae Rudolphinae" enthalten die Positionen von 1000 Fixsternen. Die Genauigkeit der darin enthaltenen Angaben beträgt ungefähr 30 Bogensekunden. Neue Entdeckungen stellen in der Folgezeit höhere Anforderungen an die Astrometrie: Die erste 1830 von Bessel gemessene Parallaxe beträgt lediglich 0,3 Bogensekunden. Mit Parallaxenmessungen von der Erde aus können Astronomen bis in die 1980er Jahre die Entfernung von Sternen in einem Umkreis von bis zu 900 Lichtjahren bestimmen.

1989 leitet die Europäische Raumfahrtbehörde ESA eine neue Ära in der Astrometrie ein. Der Satellit Hipparcos soll die Positionen und Entfernungen von Sternen neu bestimmen. Bis 1993 gelingen Messungen im Genauigkeitsbereich von einer tausendstel Bogensekunde. Viele bisher benutzten Entfernungsangaben erweisen sich jetzt als ungenau: Zum Beispiel ist die Andromeda-Galaxie, eine unserer Nachbargalaxien, nicht 2,3 sondern 2,9 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt.

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