Charaktereigenschaft: Gottesfürchtig

Bereits als Schüler und Student beschäftigt sich Kepler mit theologischen Streitfragen und sucht ein eigenständiges Verständnis von Gott abseits konfessioneller Denkschemata. Während des Grundstudiums entdeckt Kepler für sich die Spur Gottes in der Astronomie: Er sieht in einer etwaigen Zentralstellung der Sonne eine Entsprechung zur Allmacht Gottes. Diese Idee wird zum Ausgangspunkt all seiner astronomischen Forschungen und befähigt ihn, in der "Astronomia Nova" eine Himmelsphysik zu entwerfen, deren Kraftbegriff die Entdeckung der drei Planetengesetze stark begünstigt.

Keplers Suche nach einem harmonischen Weltgesetz ist ebenfalls religiös motiviert. Er ist davon überzeugt, dass Gott bei der Erschaffung des Alls Spuren hinterlassen hat, die der Mensch mit Hilfe der Geometrie entschlüsseln kann. In der "Harmonice Mundi" finden sich geometrisch-harmonische Spekulationen, die auf Platons (427-347 v.Chr.) Harmonielehre zurückgehen und die laut Kepler alle musikalischen und kosmischen Harmonien erklären. Das Buch endet bezeichnenderweise mit einem Dankgebet.

Charaktereigenschaft: Standfest

Kepler muss in seinem Leben viele schwere Entbehrungen auf sich nehmen, bei der standfesten Verteidigung seiner religiösen und wissenschaftlichen Überzeugungen.

Da er offen zu erkennen gibt, dass er die Abendmahlslehre nach der Konkordienformel des Augsburger Religionsfriedens nicht akzeptiert, gelingt es ihm nicht, im lutherischen Herzogtum Württemberg eine Anstellung zu finden. In Linz wird er vom lutherischen Geistlichen gar vom Heiligen Abendmahl ausgeschlossen. Kepler konvertiert trotz dieser Härten aus religiöser Überzeugung nicht zum Katholizismus, obwohl er als Lutheraner in die Mühlen der Gegenreformation gerät: 1600 bleibt ihm nur, Graz zu verlassen oder den katholischen Glauben anzunehmen. Er entscheidet sich für die Vertreibung, ohne zu wissen, was aus ihm werden soll.

Auch sein leidenschaftliches Bekenntnis zu den Lehren des Copernicus birgt Gefahren. Keplers Wunsch, eine Professur in der Heimat zu bekommen, ist unerfüllbar, da das Copernicanische Weltbild an der Universität Tübingen als Irrlehre gilt. Noch mehr Gefahr droht seiner wissenschaftlichen Stellung jedoch von katholischer Seite: Nachdem 1616 das Hauptwerk des Copernicus von der Inquisition in Rom verboten wurde, erfährt Kepler 1619 vom Verbot des ersten Teils seiner "Epitome Astronomiae Copernicanae". Dies hindert ihn jedoch nicht, sich weiterhin für die Lehre des Copernicus einzusetzen.

Charaktereigenschaft: Visionär

Keplers Entdeckung der Planetengesetze setzt die Fähigkeit zu visionärem Denken voraus. Die gleichförmige Kreisbewegung der Planeten ist noch unangetastetes Dogma. Weder Copernicus, noch Brahe, Bruno oder Galilei hegen den geringsten Zweifel daran. Auch Kepler bricht aus harmonischen Erwägungen nur ungern mit der Kreisbahn, akzeptiert aber die elliptischen Bahn, weil sie mit den Beobachtungen Brahes übereinstimmt. Die Überprüfung seiner Bahntheorie der Planeten mit Beobachtungsergebnissen sind Kepler wichtigere Leitmotive als Jahrtausende alte Dogmen.
Diese neue Form des Denkens revolutioniert Astronomie und Naturphilosophie und macht Kepler zu einem der wichtigsten Begründer der modernen Naturwissenschaft.

Als Kepler Kunde von Galileis Entdeckungen mit dem Fernrohr erhält, bekennt er sich spontan zur Authentizität dieser Beobachtungen. In seiner "Dissertatio cum Nuncio Sidereo" schreibt er voll Begeisterung: "Man schaffe Schiffe und Segel, die für die Himmelsluft geeignet sind. Dann wird es auch Menschen geben, die vor der öden Weite des Raumes nicht zurückschrecken werden."

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